Eine unerwartete Begegnung

Der Ruf des Muezzins erklang etwa eine Stunde nach Sonnenaufgang. Yahya wurde jäh aus dem Schlaf gerissen, hatte er doch absolut nicht damit gerechnet, so fern der Heimat zu einem gemeinsamen Morgengebet gerufen zu werden. Erfreut über diese Gelegenheit wickelte er sich mehr schlecht als recht seinen Turban und griff sich seinen Teppich. Er folgte eilig dem Ruf des Vorbeters und hielt jäh inne, als er sah, wer dort sang: vor ihm standen leibhaftig sieben waschechte Krieger des All-Einen. Sieben… Atiya.

Yahya war schon immer zutiefst beeindruckt von ihnen. Nicht nur hatten sie eine schier unfassbare religiöse Disziplin, man sagte sogar, dass sie aus ihrem Glauben immer wieder neue Kraft schöpfen konnten, selbst wenn sie nahezu tödlich verwundet wurden. Dazu kam ihre sagenumwobene Kampfkunst – man sagt, Sie üben jeden Tag, bei jedem Wetter, selbst schwerstens verletzt den Kampf gegen ihre Gegner.

So stand er einen Augenblick, gelähmt vor Ehrfurcht, bis er merkte, dass der Muezzin – der rot gekleidete Atiya – seinen Ruf beendet hatte und sich gen Osten wandte, um seinen Gebetsteppich auszurollen. Yahya eilte die Stufen zu dem offenbar spontan umfunktionierten Altarplatz hoch, legte seine Waffen ab und legte seinen Teppich auf den vom nächtlichen Regen getränkten Boden und ging mit den anderen ins Gebet.

Als er niederkniete, wurde ihm gewahr, wie bitterkalt und feucht es doch an diesem Morgen war.

„Ich glaube, dass es nur einen Gott gibt.“

Yahya zitterte, als ein wohliger Schauer über seinen Rücken fuhr.

„Er ist der Geist, das Licht, die Gnade und die Gerechtigkeit“

Eine Wärme keimte in ihm auf, die wie Sonnenstrahlen von seinem Herzen durch seinen Körper schien.

„Die, die Ihm folgen, werden nicht fehlgehen“

Sein Körper entspannte sich, er fühlte sich mit der Welt im Reinen.

„denn Seine Hand leitet sie.“

Die Wärme durchflutete seinen Körper.

„Und die, die leben und sterben in Seinem Namen,“

Yahya bebte vor Energie.

„für die wird Er alles richten.“

Er öffnete die Augen…

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