Ein kleiner Auftrag

Der Duft des schwarzen Goldes, wie Yahya den morgendlichen Kaffee gerne nannte, lockte schon bald auch die anderen Lagergenossen aus den Federn. In der Nacht sind weitere Nachbarn eingetroffen, Ein paar Mitglieder der einflussreichen Jarlower Handelsdynastie, der Familia Castellani hatten sich entschlossen, in Westfurth etwas zu entspannen und Urlaub zu machen – gut für Yahya, wusste er doch, dass Señor Pepe und Señora Josephina sehr bekannte Gesichter in den Mittellanden waren, denen er gewiss ein paar Leibwachendienste anbieten konnte.

Arash hatte irgendwo etwas Kohle aufgetrieben, so dass nach Tee und Kaffee sich seine vorlaute Reisegefährtin Fenja daran machte, einige Eier aus der Gegend in die Pfanne zu schlagen. Er wusste nicht, welcher der kleinen Höfe der Stadt ausgerechnet Hühnereier anbot, so fragte er nach.

„Stell jefälligst nich sone dummen Fragen, sonst sind als nächstes deine Eier in der Pfanne!“ – Richtig. Yahya hatte ganz vergessen, das Fenja zwar einen stumpfen Knüppel, aber dafür eine um so schärfere Zunge besaß. Er befand, dass e womöglich doch gesünder war, das Thema doch lieber zu einem anderen Zeitpunkt zu vertiefen. Nach dem trotz allem sehr guten Frühstück saß man noch ein wenig beisammen, als Yassaf zu ihnen kam.

„Yahya, da bist du ja, den ganzen Morgen habe ich dich schon gesucht!“ Yahya sah ihn prüfend an. „Ihr hättet mich gewiss schon viel früher gefunden, wäret ihr beim Morgengebet gewesen.“ Yassaf machte eine betroffene Geste: „Yahya, ich bitte euch, wollt ihr mir etwa unterstellen, ich wäre meiner heiligen Pflicht nicht nachgekommen? Selbstverständlich habe ich gebetet… also… allein in meinem Zelt… wegen der Kälte, ihr versteht?“ Natürlich wusste Yahya, dass dies bestenfalls eine billige Ausrede war, aber Yassaf war durchaus vom rechten Glauben, weshalb er er nicht weiter darauf einging. „Wie auch immer, ich habe euch gesucht, weil ich einen Leibwächter für einen kleinen Ausflug in die Wälder brauche“. Ein Ausflug? Das konnte interessant werden…

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