Der Djinn

Yahya wurde nervös und umklammerte den Griff seines Schwertes. Dennoch rief diese dunkle Gestalt eine merkwürdige Faszination in Yahya hervor. War es ihre Robe? Der schwarze Federschmuck auf ihren Schultern? Das Geweih, das aus ihrem Kopf emporwuchs? Er wusste es nicht. Die beinah schwebende Gestalt stellte sich als Luca vor, eine vielleicht schon Jahrtausende alte Feengestalt – zumindest ihre Weisheit ließ dies vermuten. Trotz seiner Furcht beneidete Yahya die Frau, die er wenig später als Samira wiedererkannte, ein wenig. Klar, allein mit einem Djinn zu sprechen, war schon Haram, aber dennoch…

Lange ertragen konnte Yahya diesen seelischen Zwiespalt nicht, daher verließ er das Lager und erkundete weiter den Ort, um in einer ruhigen Ecke ins Gebet zu gehen und seinen Geist von den unreinen Gedanken zu säubern. Doch nur wenig später wurde er wieder aus seiner Meditation gerissen, als er die Stimmen Arashs, der späten Gäste und Amirs vernahm. Das konnte nur Unglück bedeuten, so dachte er sich und gesellte sich zu der Runde. Er kam zu spät, um noch wirklich zu verstehen, worum es ging, doch amüsierte es ihn ein wenig zu sehen, dass Amir vor dem Djinn eine noch viel größere Furcht empfand als er selbst. Allein, um sich selbst und Amir etwas zu beweisen, folgte er Arash, Luca und Samira in die gespenstischen Wälder.

Auf besonders leiser Sohle und mit größter Umsicht fand die Gruppe schon bald ein gespenstisches Haus unweit der Stadt. Man sagte sich, dass dort eine Gruppe Verbannter lebte, doch das Haus schien leer. Durch ein offenes Fenster fand man einen Eingang und Yahya ließ es sich nicht nehmen, gedeckt durch Arashs sichere Bogenschützenkunst das Innere zu erkunden. Außer ein paar scheinbar schlafenden Riesenspinnen und Kerzen war hier jedoch nichts zu finden, so beschlossen die Gefährten leicht enttäuscht, zu ihren Lagern zurückzukehren und auf den nächsten Tag zu warten. Wären sie doch besser gar nicht erst aufgestanden…

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