Na, wer erinnert sich noch an diese alte Marketingkatastrophe von Lipton?
Ich glaube, die geplante DNS-Sperre von den Laien im Familienministerium hat mit dem eines gemein: Beides ist der hinterletzte Schwachsinn, aber mit der Aussage renne ich ja offene Türen ein, die Unwirksamkeit eines DNS-Poisoning ist allgemein bekannt. Und dass die wirksamste Bekämpfung dieses kleinen Teil-”Marktes” der KiPo-”Industrie” wohl im Takedown der entsprechenden Server und der standrechtlichen Erschießung Verurteilung derer Betreiber zu suchen ist, wohl auch. Nichtsdestotrotz möchte ich für alle ob der Aufregung etwas Verwirrten die dinge noch mal klarstellen:
Allerdings kann ich den Schritt bzw. seine Intention bis zu einem gewissen Grade nachvollziehen: Leute, die regelmäßig diese Server besuchen, werden dies sicherlich über die zugewiesene Domain machen. Wenn nun aber plötzlich die Domain auf die zugriffsprotokollierte Stoppseite umgeleitet wird, werden sicherlich einige “Stammgäste” ins Netz des BKA gehen, welches somit für weitere Ermittlungen einen begründeten Anfangsverdacht hätte.
Riesenprobleme dabei:
- Solcherlei Server verfügen entweder über mehrere Domains oder werden sowieso nur über Subdomains bzw. IP-Adressen erreicht. Informationen über die Sperrung können sich sehr schnell verbreiten und die Nutzer rufen den Server über die IP auf
- Wenn man DNS-Server aus dem Ausland (oder gar die Root-DNS-Server) nutzt, ist die Sperre wirkungslos. Zudem sind Geräte des öffentlichen Dienstes nicht gesperrt, sprich die DNS-Server der TU-Berlin müssten beispielsweise völlig frei sein (IP: 130.149.4.20)
- Was, wenn diese Server vielleicht irgendwo im hinterletzten Verzeichnis mit Passwortschutz ein fragwürdiges Bild bereitstellt, ansonsten aber völlig legale und häufig genutzte Inhalte trägt? Was ist mit Shared Hosting mit subdomain, z.B. funpic.de oder *brechreiz* Beepworld? Sind dann auch alle Kunden bzw. Besucher der legalen Inhalte automatisch verdächtig?
- Die Liste der gesperrten Seiten wird vom BKA gepflegt und ist geheim. Zudem ist keinerlei Kontrollorgan in Form eines Richters oder sonstwas vorgesehen, das die Sperrung einer Seite genehmigt. Diese Intransparenz öffnet dem Missbrauch dieses Organs Tür und Tor und stellt eine Zensurmaßnahme chinesischer Qualität dar
- Unabhängigen Studien zufolge erfolgt der Großteil der Verbreitung durch direkten Austausch von Datenträgern der Pädophilen untereinander, auf dem Postweg oder, wenns schon über Netz sein muss, in anonymen Tauschbörsen
- Die Länder, die solche Sperrmaßnahmen einsetzen, berichten ganz im Gegensatz zu Frau von den Lügen der Leyen, dass diese Sperrmaßnahmen ineffektiv sind und die Ermittlungen eher behindern als fördern
Dabei liegt die Lösung doch so nah!
Warum bastelt man zur Bekämpfung des Problems (Runde Tasse) nicht eine Variante von Schäubles Bundestrojaner (Runder Beutel), anstatt die Tasse das Problem zu verschleiern, damit man nicht mehr hinsehen muss? War doch eh geplant, das Ding zur Strafverfolgung einzusetzen, und nicht nur zur Terrorismusbekämpfung, was anderes kann mir keiner erzählen.
Was meint ihr dazu?
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