Offener Brief

der folgende Brief ist stellvertretend von mir im Namen aller besorgten Netzbürger geschrieben worden. Ich bitte alle, die ihn lesen, in den Kommentaren ihre Gedanken, Wünsche und Verbesserungsvorschläge zu schreiben, damit er auch tatsächlich den Tenor aller besorgten Internetnutzer wiederspiegelt und nicht nur die Meinung eines Einzelnen.

Sehr geehrte Frau von der Leyen, Sehr geehrter Herr Wiefelspütz,

Mit Bestürzung verfolge ich die Berichterstattung über Ihre Äußerungen bezüglich der -objektiv betrachtet- berechtigten Kritik an den geplanten Verfahren der Sperrung strafrechtlich relevanter Inhalte des Internets, namentlich kinderpornographischer Inhalte sowie bezüglich der eingereichten und vielfach mitgezeichneten Petition gegen eben jene technisch unausgereifte Maßnahmen.

Sie, Frau von der Leyen, maßen sich an, jeden Mitzeichner als potentiellen Pädokriminellen darzustellen. Zudem entbehren Ihre Antworten zu kritischen Fragen zu diesem Thema jedweden grundlegenden Sachverstandes, wenn nicht gar Verstandes überhaupt, der nötig wäre, um zu erkennen, dass die von Ihnen angestrengten Sperrmaßnahmen vollkommen ungeeignet sind und nur einen Vorhang darstellen, hinter dem die wahrhaftig pädophilen Straftäter in aller Ruhe ihre abscheulichen Taten weiter vollziehen können. Anstatt einer ordentlichen Debatte standhalten zu können, stellen Sie Kritiker unter Generalverdacht und reagieren mit einer äußerst befremdlichen Unsachlichkeit und Polemik, die ich von einer mehrfachen Mutter, wie Sie es sind, nicht erwartet hätte, erst recht nicht, wenn man so in der Öffentlichkeit steht wie Sie. Eine solche Weltfremdheit ist mir unter gewählten Volksvertretern noch nicht untergekommen.

Sie, Herr Wiefelspütz, handeln Kritik in ähnlicher Form, ganz getreu dem Motto “Meine Meinung steht fest, bitte verwirren Sie mich nicht mit Tatsachen!”. Ihre Aussagen, beispielsweise zu Ihrer Unterstützung des Verbots angeblich gewaltverherrlichender Spiele wie Paintball oder Laserdome, wo Ihrer Auffassung nach das Töten von Menschen simuliert wird, warfen verständlicherweise kritische Nachfragen auf, wo beispielsweise der Fechtsport als Tötungssimulation herangezogen wird, da dieser auf tödlichen Duellen glücklicherweise längst vergangener Zeiten basiert. Auf diese Nachfragen, beispielsweise über das Portal abgeordnetenwatch.de, reagieren Sie immer wieder mit der gleichen Antwort, Sie hätten sich “doch klar ausgedrückt”, in “verständlicher deutscher Sprache”, und Sie möchten sich “nicht ständig wiederholen”. Das mag sein, jedoch auf Nachfragen zu den Quellen der Medien, wo Sie dies angeblich mehrfach lang und breit erläutert hätten, liefern Sie ebenso keine sinnvolle Antwort, da Sie ja “arbeitsfähig bleiben” wollen. Auf eine andere Frage werden Sie endgültig unsachlich, nämlich auf die Frage nach Ihrem technischen Sachverstand, nachzulesen unter http://www.abgeordnetenwatch.de/dr_dieter_wiefelspuetz-650-5785–f180717.html#q180717, wo Sie die Frage ins Lächerliche ziehen und sich leider somit selbst endgültig für eine weitere Diskussion disqualifizieren.

Aufgrund Ihrer beider obigen beispielhaften Äußerungen und noch vieler anderer, die in den gängigen Print-, TV- und Onlinemedien wiedergegeben wurden, liegt der Schluss nahe, dass Sie beide Ihre Ämter nur noch für Ihre eigenen Interessen nutzen und nicht oder nicht mehr im Sinne des Deutschen Volkes handeln. Aus diesem Grunde fordere ich im Namen zahlloser deutscher Bundesbürger die sofortige Niederlegung Ihrer beider Bundestagsmandate und den Rücktritt von Ihren Ämtern, die Ihnen im Namen des Deutschen Volkes übertragen wurden, da das Deutsche Volk sich von Ihnen nicht mehr angemessen vertreten fühlt.

Hochachtungsvoll,

Johannes Gräßler und zahl- wie auch namenlose Mitzeichner dieses Briefes

P.S.: Quellen, die Ihre Aussagen belegen, habe ich absichtlich weggelassen, da ich der Meinung bin, dass Sie beide wissen, was Sie gesagt haben. Sollte dies nicht der Fall sein, helfe ich Ihnen gerne mit entsprechenden Verweisen auf die Sprünge.

Dieser offene Brief steht unter CC mit Namensnennung, ich wäre sehr erfreut, wenn der Brief in der Blogosphäre Anklang und Verbreitung findet, hier geht es nicht um mich oder mein Blog, sondern die Zukunft unseres Landes. Danke.

Über Jo

Dem öffentlichen Dienst mittlerweile erfolgreich entflohen und nun tätig als Verleihadmin in einem kleinen IT-Systemhaus habe ich einen mittlerweile einen von dem alltäglichen Wahnsinn des Lebens resignierten und sarkastischen Blick auf die Dinge, die tagein, tagaus meinen Weg kreuzen und nicht mal grüßen...
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34 Antworten auf Offener Brief

  1. Ralph sagt:

    bis auf die grenzwertige Passage

    > …, wenn nicht gar Verstandes überhaupt, …

    hast Du es gut auf den Punkt gebracht.

  2. Jo sagt:

    Habs mal “gestrichen”, ich nehme Kritik gerne an (Im Gegensatz zu sogenannten Volksvertretern). Noch ist der Brief ja nicht abgeschickt ;)

  3. Pingback: übermüdet - das Väterblog

  4. Tom Bennett sagt:

    So weit so gut, aber der Absatz

    nämlich auf die Frage nach Ihrem technischen Sachverstand, nachzulesen unter http://www.abgeordnetenwatch.de/dr_dieter_wiefelspuetz-650-5785–f180717.html#q180717, wo Sie die Frage ins Lächerliche ziehen und sich leider somit selbst endgültig für eine weitere Diskussion disqualifizieren.

    Würde ich tunlichst rausnehmen. Die Frage war so unverschämt gestellt, dass die Anwort darauf durchaus nachvollziehbar war. Mit derartigen Argumenten schadet Ihr der ganzen Diskussion.
    Gruß
    Tom

  5. Jo sagt:

    Nja, ich finde die Frage weniger unverschämt als sehr direkt. Nichtsdestotrotz erwarte ich von jemandem in seiner Position dennoch eine sachliche Antwort. Aber mal sehen, was die anderen sagen, im Zweifelsfall handhabe ich das sehr demokratisch ;)

  6. @Tom: Nein, die Frage ist gar nicht unverschämt. Ich denke eher, es ist völlig normal, zu wissen, welche Sachkenntnis jemand über ein Gebiet hat, in welchem er sich äußert, egal ob es jetzt ein Bundestagsabgeordneter oder ein “Mensch von der Straße” ist.
    Gruß, Frosch

  7. Jo sagt:

    Ich fürchte, ich muss die wiefelspütz-Passage doch wieder ändern, das beispiel zieht jetzt nicht mehr: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,624796,00.html

  8. Pingback: Vermischtes am Donnerstag at zensursu.la

  9. doc sagt:

    Die Passage über Tralafiti-Wiefelspütz ist echt etwas grenzwertig,..allerdings fand ich seine Antwort auch ne unverschämtheit; richtig von einem volksvertreter erwarte ich da mehr als GAGA GUGU!
    Aber was anderes: Vielleicht sollte man den Brief auch mal Zeitungen zuspielen, wie es bei offenen Briefen auch meistens üblich ist. Ich denke die TAZ zB würde sicher mal 2 Spalten zu Verfügung stellen

  10. Jo sagt:

    Klingt gut, nur scheue ich den Aufwand gerade ein wenig, da ich bis zum Hals in der Abschlussprüfung stecke. Zudem wollte ich noch etwas warten, denn wie Du siehst, wird der Brief derzeit etwas kontrovers diskutiert, und wenn ich ihn schon im Namen des Deutschen Volkes schreibe, sollte er auch dessen Konsens wiederspiegeln, oder?

  11. doc sagt:

    @Jo: Na, klar. Auf nen Tag kommts ja auch nicht an, sicherlich sollte man erstmal warten bis der Brief “ausgereift” ist, aber gut, dass du angefangen hast. Schonmal dafür: Fette Props von mir!!!!!
    Es werden sich auch sicherlich noch ein paar finden, die die KOmmunikation, mit der Zeitung zum Beispiel, übernehmen würden und dich entlasten. Wir ziehen ja hier alle an einem Strang!

  12. Jo sagt:

    @doc Vielen Dank für die Blumen. Ich hoffe, dass der Brief noch ein bisschen durch das Netz geistert und so weiter ausgereifen kann, und dass dann vielleicht der Eine oder Andere das dann mit Verweis auf die Quelle in die Hand nimmt. By the way: Hat jemand die entsprechenden postalischen Adressen der Beiden zur Hand?

  13. Pingback: Internetsperren: Artikel und Kommentare Donnerstag, 14.05.2009 « Wir sind das Volk

  14. meschugge sagt:

    eigentlich entspricht dieser Brief dem was ich denke, aber irgendwie ist er dann doch zu offensiv und zu wenig konstruktiv, aber wen ich mir das recht überlege … Scheiß auf Konstruktiv sein… man darf sich auch mal auf deren Niveau begeben.

  15. Pingback: Sash » Kinderporno-Briefe

  16. Jo sagt:

    Richtig, wirklich konstruktiv ist der Brief nicht, aber das war auch nicht meine Absicht, denn wie vielfach bewiesen ist Frau von der Leyen absolut beratungsresistent und für konstruktive Kritik absolut unempfänglich. Da kann ich mir auch eine Sehnenscheidenentzündung zusammenschreiben, das bringt nichts. Deswegen musste ich aggressiv vorgehen, in der Hoffnung, dass sie wenigstens darauf reagiert.

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  24. Dennis sagt:

    Also, von meiner Seite aus würde ich den Brief so unterschreiben! Gute Initiative von dir, Jo! Danke dafür!

  25. Alex sagt:

    Super Brief… wie der vorgänger schon sagte, ich würde dies direkt mitunterschreiben!

    Ich hoffe die ganzen Politiker machen was jetzt ..

  26. Marc Bastian sagt:

    Den Brief unterschreibe ich.

  27. Jo sagt:

    Mal ne Grundsatzfrage:
    Ich bin mir wegen der Wiefelspütz-Passage nicht mehr so sicher, ob ich die drin lassen oder den Brief doch allein an die von der Leyen richten sollte.

    Meinungen?

  28. Daniel sagt:

    Also mit der Wiefelspütz-Passage bin ich mir auch etwas unsicher. Wenn der Brief Wirkung entfalten soll, dann würde ich ihn vllt. eher ausschließlich auf die VdL beziehen. Ich denke, der Wiefelspütz ist hauptsächlich bei den Blog- und Onlineverrückten bekannt und wird bei allen anderen eher ein großes ? über dem Kopf hervorrufen.

    Das ist aber nur meine kleine unmaßgebliche Meinung, vielleicht schätze ich das auch falsch ein.

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  30. Pingback: legatus.twoday.net

  31. Name sagt:

    Da gibt es jetzt nur ein Problem: Niemand, an den dieser Brief gerichtet ist, wird ihn lesen.

  32. Jo sagt:

    … Sagst du. Sieh und lerne;)
    Die “offizielle” Veröffentlichung des Briefes ist durchaus geplant. Die entsprechenden Kontakte knüpfe ich bereits.

  33. FaaB sagt:

    Super Brief, unterstütze ich vollstens!

    Ich fordere ebenfalls die Amtsniederlegung von Frau von der Leyen und Herrn Dr. Wiefelspütz, da diese nicht im Sinne des deutschen Volkes handeln.

  34. Pingback: gEKKOs blog

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