Neue Streikkultur
Die GDL hat es vorgemacht: Wenn man nur verbissen lange genug kämpft, kommt am Ende eine Lösung bei herum, die allen Beteiligten zusagt – zumindest auf Arbeitnehmerseite. Offenbar sieht auch die Schlafmützen Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di, dass extreme Forderungen extremer Mittel bedürfen. Stellt sich nur die Frage, wie extrem die Mittel sein dürfen. Die BVG-Gewerkschafter haben jedenfalls übertrieben, weshalb die Sympathie, die man in der arbeitenden Bevölkerung anfangs vielleicht noch hatte, innerhalb von 39 Stunden verpufft ist.
Aber muss es denn sein, dass Dienstleistungen, die für das öffentliche Leben zwingend notwendig sind, wie zum Beispiel gerade das öffentliche Transportwesen, bestreikt werden, und das auch noch so kurfristig, dass am nächsten Morgen viele Arbeiter auf den Bus warten, dabei aber nicht nur sinnbildlich im Regen stehen gelassen werden? Wenn schon Streik, dann bitte mit rechtzeitiger Ankündigung, liebe Ver.di-Kollegen. Wenn ihr die GDL-Methode schon anwendet, dann richtig. Sonst habt ihr unter Umständen das Problem, dass die Arbeitgeberseite die DB-Methode aufgreift – und euch verklagt. Nur wird dieses Mal der Richter vielleicht anderer Meinung als ihr sein, weil auch er heute zu spät zur Arbeit erschienen ist…


